Logopädie bei neurologischen Erkrankungen
Worum geht es?
Neurologische Erkrankungen oder Ereignisse können ganz unterschiedliche Funktionen verändern.
Dazu gehören Sprache und Kommunikation, Sprechen, Stimme und Schlucken sowie die Funktionen von Gesicht, Mund und Zunge.
Solche Veränderungen können beispielsweise nach Schlaganfall, Hirnblutung oder Schädel-Hirn-Trauma sowie im Rahmen neurologischer oder degenerativer Erkrankungen (wie z.B. Morbus Parkinson, MS, ALS,…) auftreten.
Mögliche Beschwerdebilder sind unter anderem Sprach- und Sprechstörungen, Schluckstörungen sowie Fazialis- oder Hypoglossusparesen, sowie Ausfälle des N. Trigeminus.
Woran kann ich es erkennen?
Mögliche Hinweise sind:
-Bestehende oder zurückliegende neurologische Ereignisse
-Veränderungen von Stimme oder Sprechen
-Schwierigkeiten beim Kauen oder Schlucken
-häufiges Verschlucken oder Husten beim Essen und Trinken
-veränderte Beweglichkeit oder Wahrnehmung im Mund- und Gesichtsbereich
-einseitige Schwäche oder Asymmetrie des Gesichts
-eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge
-Schmerzen oder Missempfindungen im Gesichtsbereich
Je nach neurologischem Geschehen können einzelne oder mehrere Funktionen betroffen sein.
Vernetzt gedacht – was kann damit zusammenhängen?
Schlucken, Stimme sowie die Bewegungen von Gesicht, Mund und Zunge benötigen ein komplexes Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur.
Gerade beim Schlucken müssen zahlreiche Bewegungsabläufe innerhalb kürzester Zeit präzise aufeinander abgestimmt werden.
Deshalb ist immer wichtig zu wissen:
„Welche Funktionen sind beeinträchtigt – und welche Fähigkeiten und Möglichkeiten sind weiterhin vorhanden?“
Neben der betroffenen Funktion können je nach Beschwerdebild nervale Ansteuerung, Muskelaktivität, Beweglichkeit, Wahrnehmung und Koordination eine Rolle spielen.
Hier werden vorhandene Fähigkeiten und beeinträchtigte Funktionen gemeinsam betrachtet, um das Zusammenspiel dahinter zu verstehen.
Was bedeutet das für die Therapie?
Zu Beginn steht eine genaue Betrachtung der individuell betroffenen Funktionen.Je nach Beschwerdebild werden beispielsweise Schluckfunktion, Beweglichkeit und Funktion von Zunge und Gesicht, Stimme, Sprache oder Wahrnehmung überprüft.
Darauf aufbauend können manuelle Techniken, Wahrnehmungsschulung, aktive Funktionsübungen oder kompensatorische Strategien miteinander verbunden werden.
Ziel ist es, Funktionen bestmöglich zu unterstützen, wieder anzubahnen, zu erhalten oder sinnvoll zu kompensieren.
Gemeinsam gut begleitet
Neurologische Veränderungen können den Alltag sehr unterschiedlich beeinflussen. Deshalb orientiert sich die Therapie an den individuellen Möglichkeiten, Beschwerden und persönlichen Zielen.
Dabei werden auch Angehörige miteinbezogen und alltagstaugliche Strategien oder Hilfsmittel gemeinsam besprochen.
Denn Therapie bedeutet nicht ausschließlich eine vollständige Wiederherstellung. Manchmal bedeutet sie auch, Sicherheit zu schaffen, vorhandene Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen und Lebensqualität zu erhalten.