Sprache & Sprachentwicklung
Worum geht es?
Sprachentwicklung beginnt nicht erst mit dem ersten gesprochenen Wort. Bereits lange davor entwickeln Kinder wichtige Fähigkeiten, die später die Grundlage für Sprache und Kommunikation bilden.
Dabei entwickelt sich Sprache nicht in einzelnen, voneinander unabhängigen Bausteinen. Vorsprachliche Entwicklung, Sprachverständnis, Wortschatz, Grammatik und Aussprache greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig.
Schwierigkeiten können daher in unterschiedlichen Bereichen und verschiedenen Konstellationen auftreten.
Woran kann ich es erkennen?
Mögliche Hinweise können beispielsweise sein:
- ausbleibender Sprechbeginn
- nur wenige und unspezifische Wörter
- schwer verständliche Aussprache
- geringer Wortschatz
- Erschwertes Sprachverständnis
- auffällige grammatikalische Strukturen
- Schwierigkeiten beim Erzählen
- Frustration, bei nicht verstehen oder nicht verstanden werden
Die ersten Wörter sprechen Kinder in der Regel rund um ihren ersten Geburtstag. Bis zum dritten Geburtstag sind wesentliche Grundbausteine der Sprachentwicklung erworben und werden dann noch weiter ausgebaut und verfeinert.
Zeigen sich früh Schwierigkeiten, lohnt es sich deshalb, genauer hinzuschauen.
Vernetzt gedacht – was kann damit zusammenhängen?
Sprache entwickelt sich nicht für sich allein.
Kinder bewegen sich, entdecken ihre Umwelt, beobachten, interagieren und be-greifen. Sie treten mit anderen Menschen in Kontakt und machen die Erfahrung, dass Kommunikation etwas bewirken kann. Sprache findet somit permanent im Alltag statt.
Viele andere Entwicklungsbereiche fließen in den Bereich der Sprachentwicklung mit hinein: Deshalb ist es notwendig auch Aspekte von: Motorik, Kognition, Wahrnehmung, frühen Entwicklungserfahrungen, Interaktion und Bindung zu berücksichtigen.
Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht:
„Was kann das Kind noch nicht?“
sondern: „Wo steht das Kind gerade – und was braucht es für seinen nächsten Entwicklungsschritt?“
Was bedeutet das für die Therapie?
Die erste Einheit dient zunächst dem Kennenlernen und Ankommen, dem Bindungs- und Beziehungsaufbau.
In einer weiteren Einheit beobachte ich das Kind ausführlich im gemeinsamen Spiel. Diese wird per Video aufgezeichnet, damit Sprache, Kommunikation und Interaktion anschließend genau analysiert werden können. In einem Elterngespräch werden Beobachtungen, Zusammenhänge, Therapieziele und nächste therapeutische Schritte besprochen und gemeinsam überlegt, wie sie auch zu Hause in den Alltag mit integriert werden können.
Die weiteren Einheiten findet überwiegend im freien Spiel und in gemeinsamer Interaktion statt. Denn Sprache entsteht im gemeinsamen Tun und in der Begegnung – nicht nur durch das klassische Üben am Tisch.
Gemeinsam gut begleitet
Eltern sind ein wichtiger Teil der Therapie und bei jüngeren Kindern während der Einheiten mit dabei.
Als vertraute Bezugspersonen geben sie ihrem Kind Sicherheit und erleichtern damit auch den Beziehungs- und Kontaktaufbau in der Therapie. Gleichzeitig können sie durch Beobachtung der Therapiesituationen aktuelle Zusammenhänge besser verstehen, und bekommen Einblicke und Ideen, wie sie Sprache und Kommunikation ganz natürlich im gemeinsamen Alltag unterstützen können.
Denn auch wenn ein Kind in seiner Entwicklung Unterstützung benötigt, bleibt eines wichtig: Das Kind geht seinen Entwicklungsweg weiterhin in seinem eigenen Tempo. Wir schaffen gemeinsam die Bedingungen, damit der nächste Schritt möglich werden kann.